Soweit es die Demokratisierung in Afrika betrifft, ist der wiederkehrende Afropessimismus in verschiedener Hinsicht irreführend und damit wenig hilfreich. Gewöhnlich beruht er auf einem überladenen Demokratiekonzept, das industrialisierten, länger schon demokratisierten, Gesellschaften entlehnt ist, sich teilweise kritisch dazu verhält, und damit unhistorisch ist. Unter anderem deshalb werden gravierende politische Veränderungen der vergangenen zehn Jahre nicht wahrgenommen. Darüber hinaus haben verschiedene Behauptungen über Wahrnehmung der Demokratisierung sowie über das Verständnis der Demokratie auf Seiten der breiten Bevölkerung in der Regel kaum eine solide empirische Grundlage. Jüngere empirische Studien in verschiedenen Ländem zeigen hingegen, dass die Demokratisierung von breiten Bevölkerungsteilen positiv perzipiert wird, und dass ihr Demokratieverständnis auf politischen und bürgerlichen Freiheiten beruht etwas besonders „afrikanisches“ nicht zu finden ist. Offenkundig ist zugleich, dass die Demokratisierung in Afrika mit ernsthaften Problemen konfrontiert ist, vielerorts stagniert oder sogar wieder rückgängig gemacht wurde, die wenigen einfachen Demokratien mit Konsolidierungsproblemen zu kämpfen haben. Die Mehrzahl der Demokratisierungsversuche sind inmitten der Transition stecken geblieben. Sie haben sich als hybride Regime etabliert, die zwischen der Anerkennung und Verletzung elementarer politischer und bürgerlicher Menschenrechte fluktuieren. Viele der damit verbundenen Probleme sind der Fragilität staatlicher Strukturen geschuldet, die im neopartrimonialen Erbe der autoritären Vorgängerregime ihre Ursache haben. Indessen sind in all diesen hybriden Regimes die Bedingungen für eine demokratische Opposition und die Chancen für marginalisierte Gruppen, politisch ihre Interessen artikulieren zu können, sehr viel größer als dies vor etwa fünfzehn Jahren noch der Fall war.